Regie: Jan Jakub Kolski · Polen, 2010
Produktion: Akson Studio
Dauer: 114 min.
Drehbuch: Jan Jakub Kolski
Musik: Dariusz Górniok
Kamera: Artur Reinhart
Darsteller: Magdalena Cielecka,

Gast des Abends
Marcin Walewski, Agnieszka Grochowska, Grażyna Błęcka-Kolska, Julia Kijowska u.a. |
Im Film wird die Geschichte einer nicht stattgefundenen Reise erzählt. Es ist eine Geschichte über die Macht der Träume, die ermöglichen, den überschwemmten Keller einer Familienresidenz in die romantischste Stadt der Welt zu verwandeln. Für Marek, den Hauptprotagonist im neuesten Film von Jakub Kolski, ist Venedig – die Stadt, in der sich seine Verwandten oftmals aufhielten – das ersehnte Reiseziel. Beinahe hätte er endlich auch dahin fahren können.
Aber es ist das Jahr 1939. Der Krieg bricht aus. Anstatt nach Italien wird der Junge von seinen Eltern in die polnische Provinz in ein heruntergekommenes Herrschaftshaus seiner Großmutter geschickt. Im Film sehen wir den Krieg aus der Perspektive einer von Wäldern umgebenen Mikrowelt. Die Geschichte eines 11-jährigen heranwachsenden Jungen, der den Alptraum der Besatzung in einer ländlichen Gegend am Fluss San erlebt, überrascht mit ihrer malerischen, sinnlichen Schönheit in fast jeder einzelnen Szene. Der Kameramann Reinhart hat mit seinen stimmungsvollen Aufnahmen voll bitterem Lyrismus
den richtigen Ton für die poetische, impressionistische Erzählung über das Aufeinanderprallen der kindlichen Sensibilität mit den Verbrechen und der Illoyalität der Erwachsenenwelt getroffen. Besondere Beachtung verdient auch der blutjunge Schauspieler Marcin Walewski, der es versteht, in dem von Tschechowscher Melancholie angehauchten Film die extremen Gefühle eines Minderjährigen, der besonders belastenden Lebenserfahrungen ausgeliefert ist, zu vermitteln. |