Regie: Andrzej Wajda


„Danton“ ist eine Abhandlung über Macht, Moral und politische Intrigen, die überraschenderweise auch heute noch relevant ist. Der Film spielt in der dritten Phase der Französischen Revolution, im Jahr 1794, inmitten einer Atmosphäre des Terrors. Vor diesem Hintergrund entbrennt ein Konflikt zwischen zwei herausragenden, grundverschiedenen politischen Figuren: Danton und Robespierre. Gérard Depardieu und Wojciech Pszoniak spielen die Hauptrollen als politische Widersacher, die sich bis zum Tode bekämpfen.
Der Film, der 1983 Premiere feierte und vollständig in Frankreich gedreht wurde, sollte ursprünglich in Polen entstehen. Das Drehbuch basiert auf Stanisława Przybyszewskas Drama „Der Fall Danton“. Die Verhängung des Kriegsrechts und das Verbot von Versammlungen mit mehr als drei Personen verhinderten die Produktion in Polen. „Bevor die Dreharbeiten in Paris begannen, als die Solidarność-Bewegung in Polen noch aktiv war, kam Gérard Depardieu für einen Tag nach Warschau, um sich ein Bild von der Revolution und insbesondere von ihren Führern kurz vor dem Zusammenbruch ihres eigenen Werks zu machen. Ich wollte, dass Depardieu das Gesicht der Revolution sieht – unmenschlich müde, mit weit geöffneten Augen, die plötzlich in einen Schlaf fallen, der niemals eintreten wird“, sagte Andrzej Wajda.
Film- und Theaterregisseur, Drehbuchautor und Bühnenbildner; einer der bedeutendsten Filmemacher der Weltkinogeschichte; Oscar-Preisträger für sein Lebenswerk. Geboren am 6. März 1926 in Suwałki, studierte er von 1946 bis 1949 an der Akademie der Bildenden Künste in Krakau. 1953 schloss er sein Regiestudium an der Nationalen Film-, Fernseh- und Theaterschule in Łódź ab. Sein Debüt gab er mit dem Film „Pokolenie“ (Eine Generation), einer Geschichte über das Schicksal junger Menschen während der Nazi-Besatzung. Es folgten „Kanal“ (1957) und „Popiół i diament“ (Asche und Diamanten) (1958). Diese beiden Filme begründeten die sogenannte „Polnische Filmschule“. In „Krajobraz po bitwie” (Landschaft nach der Schlacht) (1970) und „Pilatus und andere“ (1972), der in Deutschland gedreht wurden und auf Michail Bulgakows „Der Meister und Margarita“ basieren, griff er erneut auf Kriegsthemen zurück. 1973 drehte er „Wesele (Die Hochzeit) nach dem gleichnamigen Theaterstück von Stanisław Wyspiański, und zwei Jahre später den oscarnominierten Film „Ziemia obiecana” (Das gelobte Land) nach Władysław Reymont – eine von Wajdas größten filmischen Leistungen. „Człowiek z marmuru” (Der Mann aus Marmor), die Geschichte von Mateusz Birkut, einem Gewerkschaftsführer der 1950er-Jahre über den eine Journalistin recherchiert, entstand 1977. „Człowiek z żelaza” (Der Mann aus Eisen) war die Fortsetzung. Die Schicksale der Figuren entfalten sich im August 1980 während der Solidarność-Revolution in Polen. Die 1980er-Jahre waren vor allem von Wajdas Regiearbeiten im Ausland geprägt. In Frankreich führte er Regie bei „Danton“ (1983), basierend auf Stanisława Przybyszewskas Roman „Sprawa Dantona” (Der Fall Danton), mit Gérard Depardieu und Wojciech Pszoniak in den Hauptrollen, sowie „Biesy” (Die Dämonen) (1988), basierend auf Fjodor Dostojewskis Buch, mit Isabelle Huppert und Jerzy Radziwiłowicz. In Deutschland inszenierte er „Liebe in Deutschland“ (1983). 2007 drehte er mit „Katyń“ den persönlichsten Film seiner Karriere. Wajdas nächstes Projekt war „Wałęsa“, ein Film über den Solidarność-Führer Lech Wałęsa. Sein letzter Film war „Powidoki” (Nachbilder), eine Geschichte darüber, wie die kommunistischen Machthaber Władysław Strzemiński, einen herausragenden Künstler und Rebellen, der sich dem sozialistischen Realismus widersetzte, vernichteten. Andrzej Wajda starb am 9. Oktober 2016 in Warschau.
Ausgewählte Auszeichnungen:
1957 – Spezialpreis der Jury bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes für den Film „Kanał“
1959 – Jury- und FIPRESCI-Preis für den Film „Popioł i diament” (Asche und Diamant) bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig
1978 – Premio David di Donatello für das Lebenswerk
1980 – FIPRESCI-, OCIC- und Baskischer Kulturpreis für den Film „Der Dirigent“ bei den Internationalen Filmfestspielen von San Sebastián
1981 – Goldene Palme und Preis der Ökumenischen Jury für „Człowiek z żelaza“ bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes
1983 – César der Französischen Filmakademie für „Danton“
1984 – BAFTA für „Danton“, bester nicht-englischsprachiger Film
1996 – Silberner Bär für das Lebenswerk bei den 46. Internationalen Filmfestspielen Berlin
1998 – Goldener Löwe für das Lebenswerk und herausragende Verdienste um die Filmgeschichte bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig
2000 – Oscar für das Lebenswerk
2009 – Alfred-Bauer-Preis für „Tatarak“ bei den 59. Internationalen Filmfestspielen Berlin