Regie: Dominika Montean-Pańków


Tadeusz, ein 80-jähriger pensionierter Arzt, verursacht an einer Kreuzung in der Nähe seines Hauses einen Unfall, bei dem ein junger Motorradfahrer ums Leben kommt. Im Prozess beweisen Experten, dass der Fahrer des Wagens nicht schuld war, da der Junge mit überhöhter Geschwindigkeit fuhr. Der Freispruch kann die Reue des alten Arztes jedoch nicht lindern. Verstärkt wird diese durch die Witwe des jungen Mannes, die ein Kind erwartet und immer wieder den Unfallort besucht. Tadeusz versucht, die Geschichte seines Opfers zu ergründen, die ihn zu einer Entscheidung bringt, die weder seine Frau noch sein Sohn akzeptieren.
Gleichzeitig entfaltet sich im Hintergrund eine in kurzen Episoden verwobene Geschichte über die Familie des Protagonisten und dessen Beziehungen zu seinen Angehörigen. Das schöne Gruppenporträt im Inneren eines charmanten alten Hauses mit malerischem Garten nimmt allmählich eine düstere Farbe an.
Jan Englert, der Tadeusz verkörpert, zählt zu den großen polnischen Schauspielern, und seine darstellerische Leistung in diesem Film ist zweifellos der Höhepunkt seiner Karriere. Er selbst formuliert es so im Gespräch mit Anna Tatarska über die Arbeit an der Rolle: „Ich habe mich schnell mit dieser Figur angefreundet. Ich habe mich in ihr wiedergefunden, nicht sie in mir. Das ist ein grundlegender Unterschied. In Kreuzung spiele ich ein Reh, den Anführer einer Herde, der erkennt, dass es Zeit ist, sich im Gebüsch zu verstecken. Vieles entsteht aus diesem vermeintlichen Verstecken, aus dem gelegentlichen Brüllen, das verrät, dass man noch da ist. Jemand, der intensiv gelebt hat
und dennoch gezwungen ist, die Szene zu verlassen – das fasziniert mich. Denn es ist keine Niederlage. Es ist eher das Bewusstsein, dass man auf zwei treibenden Eisschollen steht. Dass man länger lebt, wenn man den Spagat lernt. Man hätte längst ertrunken sein müssen, aber man hält sich fest.“
Festivalvorführungen und Auszeichnungen:
Warschau, 2024 (Warschauer Filmfestival) – FIPRESCI-Preis der jungen Jury für das beste Debüt aus Osteuropa
Krakau, 2025 (Internationales Independent-Filmfestival „Off Camera“) – Preis für den besten Schauspieler im polnischen Spielfilmwettbewerb (Jan Englert), Preis für die beste weibliche Stimme (Dominika Montean-Pańków)
Polen, 2024, 99 Min.
Drehbuch und Regie: Dominika Montean-Pańków
Kamera: Bartosz Świniarski
Musik: Adam Bałdych
Darsteller: Jan Englert, Anna Romantowska, Michał Czernecki, Aleksandra Popławska