Regie: Kasia Adamik


Joan Andrews, eine englische Professorin für Psychiatrie, trifft im Dezember 1981 zu einer Konferenz in Warschau ein. Statt in einem Hotel bringen die Organisatoren sie aus Angst davor, dass sie ausspioniert wird, in einer Privatwohnung am Stadtrand unter. Die Tochter der Vermieterin, eine Studentin, die sich um einen ausländischen Gast kümmert, verspricht, sie am nächsten Morgen abzuholen. Doch sie erscheint nicht; das Telefon in der Wohnung funktioniert nicht. Stattdessen sieht man einen Panzer und Soldaten auf der Straße, und aus dem Treppenhaus sind Schreie zu hören. Frau Andrews kennt ihre Adresse nicht, spricht kein Polnisch und hat keinen Pass mehr, da sie ihn abgegeben hat, damit ihre Betreuerin ihr verlorenes Gepäck von der Fluggesellschaft abholen konnte.
Basierend auf einer Kurzgeschichte von Olga Tokarczuk, schildert „Professor Andrews in Warschau“ einen dramatischen Moment der polnischen Geschichte: die Verhängung des Kriegsrechts am 13. Dezember 1981. Die Perspektive der Filmemacher erzeugt eine alptraumhafte Atmosphäre, die durch die brillante Bildsprache noch verstärkt wird. Gefangen im gelähmten Warschau, beobachtet eine verängstigte und orientierungslose Frau ohne Papiere und finanzielle Mittel das Leid erschöpfter Menschen im Kampf gegen die Härten des Alltags und die Brutalität der Behörden, die die Solidarność-Bewegung unterdrücken. Sie fotografiert einige dieser Ereignisse, ohne sich der möglichen Konsequenzen bewusst zu sein. Kasia Adamiks Film, angesiedelt in einem spezifischen historischen Kontext, erzählt nicht nur von Polen in den 1980er-Jahren, sondern auch vom Leben in einem totalitären System – eine Tatsache, die viele vergessen haben.
Festivalvorführungen und Auszeichnungen: Cannes ScripTeast, 2018, Toronto (TIFF), 2025, Rom (Filmfestival Rom), 2025, San Sebastián (SSIFF), 2025, Warschau (IFF), 2025, Łódź (Camerimage), 2025, Göteborg Film Festival, 2026, Bremen Filmfest, 2026
Polen, Großbritannien, Luxemburg, 112 Min.
Regie: Kasia Adamik
Drehbuch: Sandra Buchta, Kasia Adamik, Lucinda Coxon
Kamera: Tomasz Naumiuk
Darsteller: Lesley Manville, Zofia Wichłacz, Andrzej Konopka, Sascha Ley, Tom Burke